Nov
6
2014

25 Jahre Mauerfall: Wende auch im DDR-Pop

Auch für die Musiker der DDR wurde der 9. November 1989 zur Zeitenwende. Denn der real existierende Musiksozialismus hatte seine Künstler bis dahin ausnahmslos mit staatlicher Zensur belegt. Als die Mauer dann fiel, gerieten viele DDR-Musiker allerdings vom Regen in die Traufe…

Text: Ernst Hofacker

Wer bis 1989 in der DDR Musik machte, tat dies unter Bedingungen, die heute kaum noch vorstellbar sind: Um überhaupt eine Bühne betreten zu dürfen, war eine staatliche Erlaubnis des Kulturamts nötig. Und die bekam nur, wer sein Repertoire vor einer Kommission des Bezirkskomitees für Unterhaltungskunst vortrug und prüfen ließ. Gefragt war laut §2 der „Anordnung Nr. 2 im Gesetzblatt der DDR über die Ausübung von Tanz- und Unterhaltungsmusik“ vom 15.11.1965 nichts weniger als der „Nachweis der künstlerischen Befähigung“.

Lektorat schon im Studio

Hatte man die Erlaubnis endlich in der Tasche, ging die Zensur erst richtig los. So unterhielt der staatliche Jugendsender DT 64, in dessen Studios das Gros des DDR-Pop produziert wurde, ein sogenanntes Lektorat, dem sämtliche Musiktitel vor einer Veröffentlichung zur Prüfung vorgelegt werden mussten. Was dabei nicht ins offizielle DDR-Bild passte, wurde durch Streichungen im Text passend gemacht oder fiel gleich ganz durch.

5249-882Dennoch schafften es viele DDR-Künstler, mit ihren Songs den Nerv der Bevölkerung zu treffen. Hits wie „Am Fenster“ von City, „Über sieben Brücken musst du gehn“ von Karat, „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys und „Als ich fortging“ von Karussell zählen bis heute zu den beliebtesten Klassikern des DDR-Rock.

Haifischbecken des Kapitalismus

Nachdem die Mauer im Herbst 1989 gefallen war und sich die alten Machtstrukturen zunehmend in Auflösung befanden, schien die Zukunft für die DDR-Musiker für einen kurzen Moment lang rosig. Ein Trugschluss, denn das Interesse an DDR-Pop ließ mit jeder Westplatte, die den Osten erreichte, mehr nach, und die Musiker selbst fanden sich schneller im kapitalistischen Haifischbecken des Showbiz wieder, als ihnen lieb sein konnte.

Viele Bands lösten sich in den folgenden Jahren auf, andere wurden lediglich noch von ein paar treuen DDR-Fans wahrgenommen und mussten jahrelang um Anerkennung im Westen kämpfen. Nur wenige, etwa die Leipziger Gesangsgruppe Die Prinzen und die aus den Resten der DDR-Punkband Feeling B hervorgegangenen Rammstein, schafften es nach der Wende an die Spitze der Charts.

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